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Extra-Info: Jugend in Ensheim in den Sechziger Jahren (2)


Von der Erstkommunion und den Absonderlichkeiten der Ohrenbeichte

Ich war unter Pfarrer Konrath in den Jahren 1962 - 1965 Messdiener und habe ihn also ein Stück weit aus der Nähe kennen gelernt. Er war, soweit ich das aus meiner eigenen Erfahrung beurteilen kann, ein konservativer und autoritärer Mensch, der an Wahlsonntagen seine Gläubigen nach der Hl. Messe mit den folgenden Worten bzw. sinngemäß zur Teilnahme an der Wahl einlud: "Und nun gehet hin in Frieden und wählt christlich und demokratisch." Die Wahlergebnisse in Ensheim waren immer dementsprechend... Übrigens, heute [im Jahre 2002] sind sie  es wieder... Honi soit qui mal y pense!

Und ein zweites Detail ist mir noch in guter Erinnerung: Wir mussten in den Jahren nach unserer Erstkommunion [1962] unsere "Sünden" für Pfarrer Konrath immer auf einem Zettel notieren und diesen zur Beichte mitbringen. Nach der Beichte musste man dann diesen Zettel (de Bichdzeddel) durch eine Öffnung der Trennwand im Beichtstuhl stecken, worauf ihn Pfarrer Konrath auf der anderen Seite der Trennwand stets in Empfang nahm. Leider entzieht sich meiner Kenntnis, was Pfarrer Konrath mit diesen Zetteln gemacht hat: Hat er sie gelesen, um sich nochmals ein Bild über die "Sünden" der jungen Gläubigen zu machen? Hat er sie anschließend weggeworfen? Hat er sie etwa archiviert? Hat er gar Buch geführt? Ich habe schon damals angesichts der Gesinnungsschnüffelei des Pfarrers kein gutes Gefühl gehabt. Dabei waren die Zettel ohnehin immer getürkt - mangels echter Sünden: Ich sehe uns vor meinem geistigen Auge noch heute vor der Kirche bzw. vor der ehemaligen Berufsschule stehen, wo wir meist vor Beginn der Bichdschdunn unsere Bichdzeddel geschrieben haben, wobei wir uns unsere Anregungen aus dem Sündenkatalog unseres Gesongbùùchs (Kapitel "Die Beichte des Kindes") bezogen haben. 

Zum besseren Verständnis ein paar Beispiele solcher "Katalogsünden": Ich habe den Katechismus und die Biblische Geschichte nicht gelernt. - Ich habe heilige Namen im Zorn ausgesprochen. - Ich habe meinen Eltern nicht gefolgt. - Ich habe mich unschamhaft angeschaut. - Ich habe genascht. - Ich habe wissentlich am Freitag Fleisch gegessen. - Ich bin neidisch gewesen. Oft hakte der "Beichtvater" nach, stellte Detailfragen oder fragte nach der Häufigkeit des sündigen Tuns ("Wie oft?") ...


Quellen:


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Last update: 29.01.2002